Jurafuchs

§ 127

StPO
Vorläufige Festnahme
Verhaftung und vorläufige Festnahme
Stand 2026-05-06
(1)
Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen. Die Feststellung der Identität einer Person durch die Staatsanwaltschaft oder die Beamten des Polizeidienstes bestimmt sich nach § 163b Abs. 1.
(2)
Die Staatsanwaltschaft und die Beamten des Polizeidienstes sind bei Gefahr im Verzug auch dann zur vorläufigen Festnahme befugt, wenn die Voraussetzungen eines Haftbefehls oder eines Unterbringungsbefehls vorliegen.
(3)
Ist eine Straftat nur auf Antrag verfolgbar, so ist die vorläufige Festnahme auch dann zulässig, wenn ein Antrag noch nicht gestellt ist. Dies gilt entsprechend, wenn eine Straftat nur mit Ermächtigung oder auf Strafverlangen verfolgbar ist.
(4)
Für die vorläufige Festnahme durch die Staatsanwaltschaft und die Beamten des Polizeidienstes gelten die §§ 114a bis 114c entsprechend.
Prüfungsschema: vorläufige Festnahme (§ 127 Abs. 1 S. 1 StPO)
  1. Objektive Rechtfertigungselemente
    1. Festnahmelage
      1. Auf frischer Tat betroffen oder verfolgt
      2. Festnahmegrund: Fluchtverdacht oder Sicherung der sofortigen Identitätsfeststellung
    2. Festnahmehandlung (Erforderlichkeit und Grenzen)
  2. Subjektives Rechtfertigungselement (Festnahmeabsicht: Festnahme zum Zwecke der Strafverfolgung)
Mit diesem Schema in Jurafuchs üben